Kassensystem-Auswertungen: sechs Berichte, die Entscheidungen tragen

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Die kurze Antwort: Sechs Kassensystem-Auswertungen reichen, um einen kleinen Laden zu steuern. Abverkauf je Artikel, Renner- und Penner-Liste, durchschnittlicher Bonwert, Warengruppenanteil, Verkauf nach Wochentag und Lagerreichweite. Wer diese sechs vor der nächsten Order zieht, bestellt nach Zahlen statt nach Gefühl. Sie stecken bereits in jedem gängigen Kassensystem, du musst sie nur einmal finden.

Das Wichtigste auf einen Blick

Welche Kassensystem-Auswertungen ein kleiner Laden wirklich braucht

Moderne Kassen liefern dreißig Berichte und mehr. Die meisten davon schaut nie jemand an, und das ist auch richtig so: Für einen Laden mit ein paar hundert Artikeln entscheiden sechs Auswertungen praktisch alles, was im Einkauf und am Regal zu entscheiden ist. Der Rest ist Komfort.

Auswertung Was sie beantwortet Wie oft ziehen
Abverkauf je Artikel Wie viele Stück gehen pro Woche über die Theke? monatlich
Renner- und Penner-Liste Welche Artikel tragen den Umsatz, welche binden nur Kapital? monatlich
Durchschnittlicher Bonwert Wie viel lässt ein Kunde pro Besuch da? monatlich
Warengruppenanteil Wie verteilt sich der Umsatz auf Filter, Papers, Zubehör? quartalsweise
Verkauf nach Wochentag und Uhrzeit Wann ist wirklich etwas los? quartalsweise
Lagerreichweite je Artikel Wie lange hält der aktuelle Bestand noch? vor jeder Order

Wenn dein Kassensystem eine dieser sechs Zahlen nicht ausgeben kann, ist das ein ernsteres Thema als eine fehlende Funktion. Dann fehlt dir die Grundlage für jede Bestellentscheidung, und du orderst dauerhaft nach Bauchgefühl.

Renner-Liste und Penner-Liste: was sich dreht und was steht

Diese beiden Listen sind dieselbe Auswertung, nur von zwei Seiten gelesen: Abverkauf je Artikel, absteigend sortiert. Oben stehen die Renner, unten die Penner. Beides brauchst du, und zwar aus unterschiedlichen Gründen.

Der Blick auf die Renner

In den meisten Zubehörregalen trägt eine erstaunlich kleine Gruppe von Artikeln den überwiegenden Teil des Umsatzes. Genau diese Artikel dürfen nie fehlen. Sie gehören auf Sichthöhe, sie gehören in die Zweitplatzierung an der Kasse, und sie gehören mit doppeltem Sicherheitsbestand in die Bestellung. Ein Bestseller, der zwei Wochen nicht lieferbar ist, kostet dich nicht nur den Umsatz dieser zwei Wochen. Er schickt Stammkundschaft in den nächsten Laden, und ein Teil davon kommt nicht zurück. Wie du daraus eine Flächenentscheidung machst, steht im Guide zu Umsatz pro Regalmeter.

Penner erkennen, bevor die Inventur es tut

Die Penner-Liste ist die unangenehmere Hälfte. Artikel, die in sechs Monaten einstellig verkauft wurden, sind keine Sortimentsbreite, sondern gebundenes Kapital auf Regalfläche, die ein Renner besser nutzen würde. Wichtig ist die Reihenfolge: erst die Zahl ansehen, dann entscheiden. Manche Artikel laufen schlecht, weil sie schlecht stehen, nicht weil sie niemand will. Der Unterschied zwischen beidem zeigt sich, wenn du den Artikel einmal umplatzierst und vier Wochen später denselben Bericht noch einmal ziehst. Bleibt er unten, kommt er auf die Auslistungsliste. Das ganze Vorgehen steht in Sortimentsbereinigung zum Jahreswechsel.

Bonwert, Warengruppen und Verbundkäufe

Der durchschnittliche Bonwert

Umsatz ist Kundenzahl mal Bonwert. An der Kundenzahl arbeitest du mit Sichtbarkeit, Schaufenster und Öffnungszeiten. Am Bonwert arbeitest du mit Sortiment und Präsentation, und das geht deutlich schneller. Steigt dein Bonwert über drei Monate, funktioniert deine Zweitplatzierung oder dein Impulssortiment. Bleibt er flach, während der Umsatz steigt, kommen einfach mehr Leute. Beides ist gut, aber es sind verschiedene Hebel, und du solltest wissen, welchen du gerade ziehst.

Der Warengruppenanteil

Diese Auswertung beantwortet die Frage, wie breit dein Laden wirklich aufgestellt ist. Wenn eine einzige Warengruppe den Großteil des Umsatzes trägt, ist das ein Risiko: Ein Lieferengpass oder eine Regeländerung in dieser Gruppe trifft dich dann voll. Gleichzeitig zeigt sie dir, wo noch Luft ist. Filter laufen in vielen Läden solide, während das ergänzende Zubehör unter seinen Möglichkeiten bleibt, weil es im Regal nicht neben dem Bestseller steht. Das komplette Aktivkohlefilter-Sortiment für Händler und die passenden Warengruppen daneben zu sehen, hilft bei dieser Einschätzung mehr als jede Liste.

Verbundkäufe: was zusammen über die Theke geht

Viele Systeme können auswerten, welche Artikel gemeinsam auf einem Bon landen. Das ist die ehrlichste Grundlage für Bundles und für die Regalanordnung, weil sie aus deinem Laden stammt und nicht aus einer allgemeinen Empfehlung. Was bei dir zusammen gekauft wird, gehört nebeneinander. Wer daraus Sets baut, verkauft die zweite Position mit, statt auf sie zu hoffen.

Abverkauf nach Wochentag und Uhrzeit

Diese Auswertung kostet zwei Minuten und korrigiert regelmäßig eine Annahme, die sich über Jahre gehalten hat. Läden schätzen ihre Stoßzeiten fast immer falsch ein, weil der subjektive Eindruck an den vollen Tagen hängen bleibt und die ruhigen Stunden verschwimmen. Die Kassendaten sagen dir stattdessen genau, in welchen Stunden Umsatz entsteht.

Daraus folgen zwei Entscheidungen. Erstens die Schichtplanung: Beratungsstarke Stunden brauchen die Person, die das Sortiment erklären kann, nicht die, die gerade Zeit hat. Zweitens die Warenpflege. Auffüllen, Preisauszeichnung und Lieferannahme gehören in die nachweislich ruhigen Fenster, nicht irgendwann. Der praktische Teil dazu steht in Personalplanung rund um die Stoßzeiten.

Lagerreichweite: aus Kassendaten einen Meldebestand rechnen

Das ist die Auswertung, die aus Zahlen eine Bestellung macht. Die Rechnung ist simpel: aktueller Bestand geteilt durch den durchschnittlichen Wochenabverkauf ergibt die Reichweite in Wochen. Liegt die Reichweite unter der Vorlaufzeit deines Lieferanten plus einem Puffer, ist der Artikel fällig.

Ein Beispiel ohne Zahlenzauber: Verkaufst du von einem Filterformat rund 20 Packungen pro Woche und hast noch 60 im Regal, reicht der Bestand drei Wochen. Braucht die Nachlieferung eine Woche, hast du zwei Wochen Puffer, und das ist knapp, wenn die Lieferung einmal hakt. Genau an dieser Stelle entsteht die Regallücke, nicht beim Bestellen selbst. Setz den Meldebestand deshalb auf Vorlaufzeit plus zwei Wochen und nicht auf ein Gefühl. Die ausführliche Systematik dazu steht in der Bestandsplanung für Raucherzubehör.

Zwei Hinweise aus der Praxis. Rechne die Reichweite immer auf den Wochenschnitt der letzten acht bis zwölf Wochen, nicht auf die letzte Woche, sonst steuerst du jedem Ausreißer hinterher. Und behandle Saisonartikel getrennt, weil ihr Schnitt aus der Nebensaison vor dem Jahresendgeschäft nichts mehr wert ist.

Kassensystem-Auswertungen vor der Messe: mit Zahlen zur Order

Es gibt einen Termin im Jahr, an dem sich diese Berichte sofort auszahlen, und das ist der Tag vor einer Fachmesse oder einem Ordertag. Die InterTabac in Dortmund läuft in diesem Jahr vom 15. bis 17. September, und die meisten Einkäufer fahren mit einer groben Idee hin und mit einer Tasche voller Kataloge zurück.

Mit drei Ausdrucken sieht der Tag anders aus. Nimm deine Renner-Liste mit, damit du am Stand konkret nach Verfügbarkeit und Vorlaufzeit für genau diese Artikel fragen kannst. Nimm die Penner-Liste mit, damit du nicht versehentlich nachbestellst, was zu Hause steht. Und nimm die Reichweiten-Liste der fälligen Artikel mit, weil daraus die Bestellung wird, die du am Stand gleich aufgeben kannst. Wie du den Rest des Besuchs planst, steht in der Vorbereitung auf den Messebesuch. Uns findest du dort in Halle 5 am Stand 5.B02.

Die Routine: einmal im Monat 20 Minuten

Der Grund, warum diese Auswertungen in vielen Läden ungenutzt bleiben, ist selten mangelndes Interesse. Es fehlt der feste Termin. Setz dir einen: am ersten Werktag des Monats, 20 Minuten, immer dieselbe Reihenfolge.

  1. Abverkauf des Vormonats ziehen und absteigend sortieren. Top-Artikel und Schlusslichter notieren.
  2. Bonwert mit dem Vormonat vergleichen. Eine Zahl, ein Vergleich, fertig.
  3. Reichweite der Renner prüfen und alles unter Meldebestand auf die Bedarfsliste setzen.
  4. Eine einzige Maßnahme festlegen. Ein Artikel wird umplatziert, ausgelistet oder aufgestockt. Nicht zehn.

Vier Wochen später prüfst du an derselben Auswertung, ob die Maßnahme etwas bewirkt hat. Das ist der ganze Kreislauf, und er schlägt jede Jahresplanung, die im Januar geschrieben und im Februar vergessen wird. Einmal im Jahr kommt die körperliche Bestandsaufnahme dazu, damit die Zahlen im System auch stimmen: Inventur im Zubehörhandel.

Vier Fehler bei der Kassenauswertung

  1. Nur auf den Umsatz schauen. Ein Artikel mit hohem Umsatz und einer Drehung pro Quartal ist im Regal schwächer als ein kleiner Artikel, der jede Woche geht.
  2. Zu kurze Zeiträume vergleichen. Eine einzelne Woche ist Wetter, kein Trend. Ab vier Wochen wird es aussagekräftig, ab drei Monaten belastbar.
  3. Artikel unsauber anlegen. Wenn dieselbe Ware unter drei Namen in der Kasse steht, teilt sich ihr Abverkauf auf drei Zeilen und keine davon fällt auf. Sauberer Artikelstamm ist die Voraussetzung für alles Weitere.
  4. Auswerten und nichts ändern. Ein Bericht, aus dem keine Entscheidung folgt, ist verlorene Zeit. Lieber eine Auswertung mit einer Konsequenz als sechs zur Ablage.

Häufige Fragen

Welche Kassensystem-Auswertungen brauche ich als kleiner Laden mindestens?

Drei reichen für den Anfang: Abverkauf je Artikel, durchschnittlicher Bonwert und Lagerreichweite. Mit diesen drei triffst du die Entscheidungen, die täglich anfallen, nämlich was nachbestellt wird, was mehr Fläche bekommt und ob dein Sortiment am Bon etwas bewirkt. Warengruppenanteil und Wochentagsauswertung kommen dazu, sobald die Routine sitzt.

Wie oft sollte ich die Auswertungen ziehen?

Einmal im Monat für Abverkauf, Renner-Penner-Liste und Bonwert. Quartalsweise für Warengruppen und Wochentage, weil sich diese Muster langsam verändern. Die Lagerreichweite ziehst du vor jeder Bestellung, denn sie ist der eigentliche Auslöser der Order. Häufiger auszuwerten bringt nichts, weil kurze Zeiträume zu stark schwanken.

Mein Kassensystem kann kaum etwas auswerten. Was jetzt?

Prüfe zuerst, ob die Berichte nur versteckt sind, denn viele Systeme führen sie unter Statistik oder Export statt unter Auswertungen. Hilft das nicht, exportiere die Verkaufsdaten als Tabelle und rechne den Rest in einer Tabellenkalkulation. Lässt sich nicht einmal exportieren, ist das ein hartes Argument für einen Systemwechsel, denn ohne Abverkaufsdaten steuerst du blind.

Wie viele Wochen Abverkauf brauche ich für eine belastbare Reichweite?

Acht bis zwölf Wochen. Kürzere Zeiträume reagieren zu stark auf einzelne Großeinkäufe oder eine ruhige Woche, längere verwischen echte Veränderungen. Bei Saisonartikeln nimmst du stattdessen den Zeitraum des Vorjahres zur selben Jahreszeit, weil der Sommerschnitt eines Festivalartikels im November keine brauchbare Grundlage ist.

Lohnt sich der Aufwand bei einem kleinen Sortiment?

Gerade dann. Je kleiner das Sortiment, desto stärker wirkt jede einzelne Fehlentscheidung auf Fläche und Kapital. Bei zweihundert Artikeln ist die Monatsauswertung in 20 Minuten erledigt und verhindert zuverlässig die zwei teuersten Fehler im Handel, nämlich Ladenhüter nachzubestellen und beim Bestseller ohne Ware dazustehen.